Startseite

Gedicht der Woche 10/2026

.

MÄRZLICH

Je mehr ich schon sagte, desto weniger bleibt mir zu sagen.
Die Menge des Sagbaren ist doch begrenzt.
Oder nur so etwas noch: daß in den ersten Märztagen 
Der Vorflutgraben erglänzt,
Der die Wiese durchsichelt im Lichte.
Die hohen Böschungen gilben noch gries.
Doch moosgrün am Grunde das dichte,
Das immergrünende Vlies
Der Wasserkräutlein. Lichtläuse,
Stäuben dran Mücklein hin.
Lichtblau ein Schneckengehäuse
Liegt leer, erfüllt mit Sinn
Als Trinkhorn des märzlichen Lichtes,
Als Kehle im märzlichen Wind.
Mit dem der Sinn des Gedichtes
Endet und beginnt -



Eva Strittmatter

aus "Atem"
Aufbau Verlag 1988

 Literatur und mehr von Eva Strittmatter

 Startseite  nach oben