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Gedicht der Woche 48/2020


Poesie. Sie

Immer bleibt der Einlaß geheim
Zu diesem dunklen verwunschenen Garten,
In dem mich Worte der Stille erwarten:
Kräutlein, die süß sind von Honigseim,
Und Nesselworte mit sengendem Duft.
Wie sehn ich mich nach der betäubenden Luft
Jenes Gartens, der sich verschließt und entschwindet
Bei jeder Bewegung, die gegen mich geht,
Und den außer mir kein anderer findet,
Weil er nur in mir und selten entsteht
Jäh als ein Duftstoß alles verschlingend:
Leben das bitter war, heillose Zeit ...
Wieder ist Morgen! Ich breche singend
Tränendes Herz und weiß nichts von Leid.

Eva Strittmatter

aus "Atem"
Aufbau Verlag 1988

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